Über Erich Pawlu

Erich Johann Pawlu wurde am 24. Februar 1934 in Frankstadt an der Mährischen Grenzbahn (heute Nový Malín, Tschechien) geboren und verstarb am 19. August 2022 in Dillingen an der Donau. Er war ein deutschsprachiger Autor und Kulturgestalter im Landkreis Dillingen sowie ein für viele Schüler prägender Pädagoge und ein Chronist seiner Zeit.
 

Kindheit, Vertreibung und Ausbildung

Erich Pawlu wuchs in einer deutschmährischen Familie auf. Prägend für seine frühe geistige Entwicklung war insbesondere sein Großonkel, Prof. Dr. Josef Pavlu, ein Wiener Altphilologe, der ihm schon in jungen Jahren die Bedeutung von Sprache, klassischer Bildung und geistiger Unabhängigkeit vermittelte. Erich Pawlu selbst hat später mehrfach betont, wie stark dieses familiäre Vorbild seine Liebe zur Bildung und zur Literatur beeinflusst hat.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs musste seine Familie – wie die meisten anderen Deutschen im Sudetenland – ihre Heimat verlassen. 1946 kam er nach Deutschland in den heutigen Landkreis Eichstätt. 1953 legte er das Abitur am Humanistischen Gymnasium in Ingolstadt ab. Anschließend studierte Pawlu Germanistik, Geschichte und Geographie an der Universität München. Nach Stationen in Regensburg und Neu-Ulm lebte Pawlu von 1959 bis zu seinem Tod in Dillingen a. d. Donau.
 

Pädagoge aus Leidenschaft

Von 1959 bis zu seinem Ruhestand 1996 war Pawlu als Gymnasiallehrer am Johann-Michael-Sailer-Gymnasium Dillingen tätig und vermittelte Generationen von Schülern Sprache, Literatur und Gesellschaftswissenschaften. Neben seiner Unterrichtstätigkeit leitete er Lehrgänge an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen und unterrichtete Soziologie an der Fachakademie für Sozialpädagogik Dillingen.
 

Ehe und literarischer Aufbruch

Ein entscheidender Wendepunkt im Leben und Schaffen von Erich Pawlu war seine Ehe mit Marlene Pawlu (1948–2017), die er im Jahr 1976 schloss. Mit ihr gewann er nicht nur eine verlässliche Lebenspartnerin, sondern auch jene persönliche Sicherheit und Ermutigung, die den nachhaltigen Durchbruch seines literarischen Wirkens ermöglichten.

Es ist kein Zufall, dass die Phase regelmäßiger Buchveröffentlichungen kurz nach der Eheschließung einsetzte. In dieser Zeit fand Pawlu zu einer neuen Kontinuität und Produktivität, die sein schriftstellerisches Profil dauerhaft prägte. Marlene Pawlu unterstützte, förderte und bestärkte ihn dabei uneingeschränkt; sie glaubte an sein Talent, stand ihm als kritische Erstleserin zur Seite und schuf den geistigen und emotionalen Freiraum, aus dem heraus sein umfangreiches Werk entstehen konnte. Ohne diesen Rückhalt wäre die beeindruckende Fülle seiner Bücher, Essays und literarischen Arbeiten in dieser Form kaum denkbar gewesen.
 

Autor, Satiriker und Publizist

Parallel zu seiner pädagogischen Arbeit entwickelte Pawlu ein umfangreiches literarisches Wirken. Seine Texte erschienen in renommierten Zeitungen und Zeitschriften wie der Süddeutschen Zeitung, der Welt, der Neuen Zürcher Zeitung oder der Frankfurter Rundschau. Er schrieb Erzählungen, Satiren, Gedichte, Glossen, Hörspiele und Rundfunksketche und war auch als Autor von Schulbüchern aktiv.

Seine Werke zeichnen sich durch einen gepflegten Stil, konstruktiven Humor und psychologisches Einfühlungsvermögen aus – Qualität, die ihm bei Kritikern und Lesern hohe Anerkennung einbrachte.
 

Publizistische Leistungen

Pawlu war ein außerordentlich produktiver Schreiber: Allein für die Donau-Zeitung, das lokale Blatt der Dillinger Heimat, verfasste er weit über 20 000 Artikel, darunter Glossen, Reportagen und literarische Beiträge – bis kurz vor seinem Tod. 
 

Engagement im literarischen Leben

Neben dem Schreiben engagierte sich Pawlu im literarischen Betrieb als Juror und Vorsitzender zahlreicher Wettbewerbe – darunter der Literaturwettbewerb der Kulturtage im Landkreis Dillingen, der Kunstpreis des Bezirks Schwaben und der Erzählerpreis der Künstlergilde Esslingen. Er war Mitglied in mehreren kulturellen und wissenschaftlichen Vereinigungen, etwa der Künstlergilde Esslingen und der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste.
 

Auszeichnungen und Ehrungen

Für sein literarisches und kulturelles Engagement erhielt Pawlu zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter:

  • den Sudetendeutschen Kulturpreis für Literatur,
  • den Nikolaus-Lenau-Preis der Künstlergilde Esslingen,
  • den Erzählerpreis des Ostdeutschen Kulturrates,
  • den Andreas-Gryphius-Preis der Künstlergilde Esslingen für sein Gesamtwerk sowie
  • das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Zudem wurde Erich Pawlu der Bürgerbrief der Stadt Dillingen verliehen.
 

Die Erich Pawlu-Literaturstiftung Dillingen

Bereits zu Lebzeiten dachte Pawlu über die institutionelle Förderung von Literatur nach. Dieser Gedanke wurde nach seinem Tod umgesetzt: 2024 wurde die Erich Pawlu-Literaturstiftung Dillingen gegründet, mit dem Ziel, literarisches Schaffen sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Literatur zu unterstützen und zu fördern.

 

Erich Pawlu (1982)

Buchveröffentlichungen
(Auswahl)

  • Lehrdichtung, 1978
  • Gestörte Spiele oder Das umgedrehte Hitlerbild, Erzählungen, 1981
  • Ein kleines bißchen Reife, Erzählungen, 1982
  • Die Wunderwelt der Menschenseele, Satiren, 1983
  • Wenn der Computer Geschichten macht, Satiren, 1986
  • Vom Glück der Denkpausen, Satiren, 1987
  • Glück in trüben Zeiten, Satiren, 1988 (Neuaufl. 1994)
  • Skurrile Balladen, 1989
  • Gefühle auf Diskette und andere Computer-Satiren, 1991
  • Künstler, Kämpfer, Konkubinen, 1993
  • Die abenteuerliche Hochzeitsreise, Erzählungen, 1996
  • (Mitautor) Grundlagen, Stile, Gestalten der deutschen Literatur, 1996

Auszeichnungen und Ehrungen
(Auswahl)

  • 1968: Förderungspreis des Arbeits- und Sozialministeriums Nordrhein-Westfalen für das Hörspiel Aber Mariella ist tot
  • 1969: Förderungspreis des Ostdeutschen Kulturrates Bonn für Erzählungen
  • 1986: Sudetendeutscher Kulturpreis für Literatur
  • 1986: Erzählerpreis des Ostdeutschen Kulturrates Bonn
  • 1988: Erzählerpreis des Ostdeutschen Kulturrates Bonn
  • 1988: Nikolaus-Lenau-Preis der Künstlergilde Esslingen
  • 1998: Bürgerbrief der Stadt Dillingen an der Donau
  • 2005: Erzählerpreis der Künstlergilde Esslingen
  • 2005: Achievement Award von Lions International
  • 2005: Verdienstmedaille des Landkreises Dillingen an der Donau
  • 2010: Mitglied der Sudetendeutschen Akademie München
  • 2011: Bundesverdienstkreuz am Bande
  • 2013: Ehrennadel des Verbandes bayerischer Geschichtsvereine
  • 2015: Andreas-Gryphius-Preis der Künstlergilde Esslingen für das Gesamtwerk

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.